Guck nicht ins Häferl lieber Mann, die Küche geht dich gar nichts an!

Die Küche wurde als der Ort des Hauses angesehen, der in keinster Weise der Repräsentation diente, sondern allein der Funktion. In gehobenen Haushaltungen betrat die Herrschaft die Küche gar nicht, sondern sie war der Arbeitsplatz des Dienstpersonals. Dort wurden auch deutlich mehr Tätigkeiten verrichtet als heute, wie z.B. das Lampenbefüllen, und in Haushalten, in denen es keine separate Waschküche gab, wusch man dort auch die Wäsche.

Der Kern in jeder Küche war der Herd, die Kochmaschine. Die mit Holz und Kohle befeuerten Öfen brannten den ganzen Tag und spendeten in einfachsten Behausungen die gesamte Wärme. Dem niederen Rang der Küche geschuldet, waren die Küchenmöbel wie Buffet, Küchentisch und Anrichten aus Weichholz gefertigt. Behältnisse, Topfdeckel und andere Geräte platzierte man meist auf Regalen. Zum Spülen des Geschirrs gab es einen Spültisch, der über zwei Wannen verfügte oder einen einfachen Spülstein, der in die Wand eingelassen war. In der Gründerzeit wurden auch viele Erfindungen für den Haushalt hervorgebracht wie z.B. die Kartoffelschälmaschine oder der Kaffeefilter. Moderne und wohlhabende Herrschaften konnten ihren Dienstmädchen um 1900 einen Eisschrank leisten. In diesem war es möglich, durch Eis gekühlte Speisen zum ersten Mal länger aufzubewahren.

Auch bei keiner erfahrenen Köchin oder Hausfrau durfte ein Kochbuch fehlen, welches nicht nur allerlei Speisen und Menüs enthielt, sondern auch nützliche Winke für den Haushalt bereithielt. Ein solches Werk stellt das von Henriette Davidi verfasste und in etlichen Auflagen herausgegebene Werk „Die Hausfrau“ dar.

Um die Küche immerhin etwas zu verschönern und manche Geräte zu verdecken, waren Spruchtücher sehr beliebt. Die in mühsamster Handarbeit gefertigten leinenen Tücher, immer mit rotem oder blauem Rand, zeigten verschiedenste haushaltliche Szenen wie z.B. kehrende Frauen oder einfach nur hauswirtschaftliche Muster, meist mit einem Spruch versehen. Die heute sehr sarkastisch wirkenden Sprüche vermitteln eindringlich die Tugenden eines Dienstmädchens oder einer Hausfrau und erweisen sich damit als eine einzigartige Quelle für das Alltagsleben in der Gründerzeit.