
Darf ich die Herren in den Salon bitten?
Der Herrensalon erfüllte zweierlei Funktionen. Zunächst war er Rückzugsort und Arbeitsplatz für den Hausherren. An seinem Schreibtisch ging er den alltäglichen Geschäften und Korrespondenzen nach. Mit ausziehbaren Arbeitsflächen boten die recht monumentalen Schreibmöbel viel Platz für die tägliche Arbeit.
Zum Arbeitsgerät gehörten neben der Feder, teilweise auch schon dem Füllfederhalter und Tinte, auch Dokumentenmappen, Aktenordner, Stempelhalter und Co. Für die Beleuchtung sorgten auf Herrenschreibtischen weniger Petroleumlampen als Kerzen.
In einem kaisertreuen Haushalt musste natürlich auch Platz für seine Majestät, den Kaiser, sein, der häufig in Form einer Büste, die auf einem Postament platziert wurde, Einzug in die Herrenzimmer hielt.
Doch war der Herrensalon nicht nur Arbeitszimmer, sondern diente als Salon auch dem Herrenbesuch. Nach einem größeren Abendessen zogen sich die männlichen Gäste zum Rauchen oder Kartenspielen in den Herrensalon zurück. Daher durfte es auch an keiner Rauchgarnitur und einer Tabakschneidemaschine fehlen.
Damen nahmen nicht im Herrensalon Platz, sondern zogen sich in den Damensalon zurück. Der Herr und die Gäste konnten es sich in diesem Raum auch gemütlich machen. Prächtige Sofas mit hohen Aufsätzen, die in der Größe Sofas aus dem Damensalon deutlich überlegen waren, zierten das Zimmer.
Gerade die Literatur und Nachschlagewerke gehörten unabdingbar in ein Herrenzimmer. In einem schlanken und hohen Bücherschrank wurden viele Bände mit prächtigen goldverzierten Lederrücken gezeigt. Bücher gehörten zweifelsfrei zum Ausdruck des Wohlstandes und des Intellekts.